Als ich mit zehn Jahren ins Internat kam, begann ich meinen ersten „Roman“ zu schreiben. Da ich davor gerade die Originalausgabe vom „Graf von Monte Christo“ gelesen hatte, wurde mein Roman sehr ähnlich.
 
Das Gefängnis wurde zum Internat, die Peiniger zu Erzieherinnen und ich zum Graf von Monte Christo.
Am Abend vor dem Schlafen durfte immer einer von uns „Insassen“ eine Geschichte erzählen. Da meine Leidensgenossen wussten, dass ich einen Roman schrieb und sie schon gespannt waren, wie ich mich rächen würde, war ich zum Erzähler auserkoren. Meine Freunde versorgten mich mit Heften und ich schrieb in jeder freien Minute.

 

Inzwischen war der Stapel bereits zu einer beträchtlichen Höhe angewachsen und ich hatte Probleme diesen zu verstecken. Eines Tages kam es, wie es kommen musste, mein Roman war weg und ich wurde zum Heimleiter zitiert. Der hielt mir eine lange Moralpredigt  erklärte mir, was für ein missratener, unerzogener, undankbarer Bengel ich wäre. Dann verbrannte er meinen „Roman“ vor meinen Augen. Das tat weh.

 

Trotzdem ging meine Geschichte weiter, jeden Abend. Ich schrieb sie jedoch nur noch in Gedanken. Meinen Kopf konnten sie nicht in den Ofen stecken. Später, als Erwachsener, verfasste ich viele Sachartikel und Berichte aber keinen Roman mehr.

 

Erst vor einigen Jahren besann ich mich auf meine frühe Leidenschaft und begann erneut zu schreiben. Der große Roman ist noch nicht fertig, aber ich arbeite fleißig daran.

 

Als kleine „Kostprobe“ könnt Ihr einige meiner Kurzgeschichten lesen.